In den Wäldern Sibiriens: Tagebuch aus der Einsamkeit

In den Wäldern Sibiriens schrieb Sylvain Tesson sein Tagebuch aus der Einsamkeit. Auf dem Einband des Buches steht, er wählte diese Einsamkeit selbst, träumte jahrelang davon, in sibirischen Wäldern am Baikal zu leben. Dafür suchte er sich eine geeignete Hütte am Seeufer, plante den Aufenthalt und nahm ausreichend Vorräte mit.

Sibirien, Russland und Einsamkeit

Als ich den Band in die Hände bekam, darin geblättert und Probe gelesen hatte, legte ich ihn erst einmal zur Seite. Ich war mitten in einen Abschnitt geraten, der von zu viel Wodka und den „typischen Russen“ handelte. Doch ein zweiter Versuch hielt mich am Lesen. Der Autor fesselte mich mit Natur und der Art wie er sie beschrieb. Er schwärmt nicht, sondern malt mit bildhaften Worten, findet immer neue Vergleiche für Farben, Wetter und Tiere.

So lasse ich mich gern entführen in seine Blockhütte am nördlichen Zedernkap, gehe mit auf stundenlange Wege, um die Nachbarn zu besuchen und sehe beim Holzhaken zu. Unverkennbar ist seine Liebe zu Sibirien, dem Baikal, der russischen Lebensart, den Russen selbst. Im Laufe der Seiten erfuhr ich immer mehr über seine Gedanken, sein Innenleben, seine Suche.

Buchcover - In den Wäldern Sibiriens: Tagebuch aus der Einsamkeit

Reisebuch oder doch eher Tagebuch?

Beschreibt der Autor hier nur seine Reise und sein Leben am Baikalsee oder nutzt er seine Erlebnisse zum Philosophieren? Wer sich in die Einsiedelei begibt, ist mit sich und seinen Gedanken allein. Täglich schrieb Tesson auf, was er gedacht und getan hat. Findet er an seinem geliebten Baikal, was er suchte oder verliert er was er liebte? Aus seinen täglichen Einträgen glaube ich die jeweilige Stimmung zu erkennen. Mal ist er euphorisch, mal niedergeschlagen, freut sich über Besucher und wenn diese wieder gehen. Lässt mich lächeln über seine Schwächen und verbirgt die Tränen nicht. Dabei drängt er seine Gefühle nicht auf, wenn ich will, kann ich sie überlesen.

Fazit

Er lebte allein dort und war doch nicht allein … Zwar waren die Nachbarn viele Kilometer weit weg, aber da. Später machte er zwei Hunde zu seinen Gefährten. Ein wenig war er Eremit, doch das Satellitentelefon könnte ihn jederzeit mit der Welt verbinden. Von der Natur wollte er leben, nahm aber Unmengen Nudeln und Tabasco mit in die Einsamkeit und Bücher. Als die geplante Zeit vorbei war, kehrte er zurück. Hat er gefunden, wonach er in den sibirischen Wäldern suchte? Mir hat sein Tagebuch schöne Lesestunden und einige Denkanstöße beschert.

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